Gästebuch und Blog von malindi.info

Dezember 2023 / Januar 2024 in Malindi

Ende November letzten Jahres war es wieder soweit: ich konnte wieder zu meiner Familie nach Malindi reisen. Die Anreise mit Qatar von München über Doha nach Nairobi und dann weiter mit Jambojet nach Malindi war okay, nur leider hatte ich dann in Nairobi 5 Stunden Aufenthalt, weil Jambojet nur morgens und am Nachmittag nach Malindi flog. Aber bei 8 Wochen Aufenthalt kann man das schon mal in Kauf nehmen.

Wieder hatte ich Kreide-Kreuze an meinen Koffern, die der Zollkontrolle „denzente“ Hinweise geben sollte, mal genauer nachzuschauen, und wieder habe ich diese sorgfältig entfernt und bin ohne Kontrolle durchgekommen.

Wie immer ist Malindi in permanenter Bewegung, denn irgendwo wird immer gebaut. Egal, ob Reparatur der maroden Wasserversorgung oder auch die Fertigstellung des modernisierten Kreisverkehrs.

Neu gestalteter Innenraum des Kreisverkehrs
Neu gestalteter Innenraum des Kreisverkehrs

Der Verkehr war zeitweise wirklich „too much“ noch zumal direkt vor Fermento und Vintage die Straße aufgerissen und dann nur mit Schotter provisorisch aufgefüllt wurde. Rückstau und permanenter Staub waren dort die Regel, es sei denn es regnete … dann gab es dort einen netten Swimming Pool. Erst Ende Januar wurde die Straße dort wieder ordentlich asphaltiert.

Lamu Road Höhe Stardust - Straßenbelag fehlt seit Wochen
Lamu Road Höhe Stardust – Straßenbelag fehlte seit Wochen

El Nino bescherte Malindi einen feuchten Dezember, was aber nicht heißen soll, das es permanent geregnet hat, eben nur mehr als in anderen Jahren und somit war alles grün und die Ernte war gut.

Inflation und Preise

Bis Ende Januar 2024 verzeichnete der Kenia-Schilling einen Wertverlust ohne gleichen. Für einen Euro bekam man bis zu 175 KES. Gut für Touristen, aber ein Drama für die Keniaten, denn egal ob Benzin oder Grundnahrungsmittel: alles war so teuer wie nie zuvor. Aktuell steuert die Regierung massiv gegen die Verteuerung und auch der Kurs des KES hat sich wieder gefangen und liegt derzeit bei ca. 145 KES für 1 EUR.

Um den Tourismus wieder anzukurbeln, hat Präsident Ruto Mitte Dezember 2023 Kenia Visa frei ausgerufen, allerdings ist stattdessen eine eTA (Electronic Travel Authorisation) zu beantragen, die dem Visa-Prozedere sehr ähnlich scheint. Ersparnis ist ca. 20 Euro und die Bearbeitung erfolgt nun recht schnell.

Diese Ersparnis relativiert sich allerdings, wenn man vorhat, auf Safari zu gehen. Der Eintritt in die Safari-Parks hat sich insbesondere für die Touristen teilweise verdoppelt. So zahlt man nun 100 US$ für einen Tag (24h) in Tsavo/East, Tsavo/West oder Amboseli. Für Masai Mara wird es wohl noch viel teurer werden. Bleibt zu hoffen, dass die Mehreinnahmen auch wirklich in den Schutz von Wildlife fließen, aber so richtig glauben kann ich das nicht, denn alle Einnahmen laufen direkt im eCitizen-Portal zusammen.

Clubs und Partys

Es ist eigentlich alles wie immer. Am Wochenende sind die Clubs voll, weil auch die inländischen Touristen aus Nairobi Party machen, unter der Woche sind die Beachpartys eine willkommene Abwechslung für die internationalen Touristen. Nach wie vor kommen nach Malindi viele Italiener, aber auch andere Nationalitäten sind vertreten. Das Weihnachtsgeschäft fiel auch deshalb durchschnittlich aus, weil die Schule in Kenia schon in der zweiten Januarwoche weiter ging. Dadurch war der inländische Tourismus nicht ganz so umsatzstark wie zum letzten Jahreswechsel. Natürlich hat auch die Inflation ihren Beitrag dazu geleistet.

Beachparty im Olimpia Malindi
Beachparty im Olimpia Malindi

Essen und Trinken

Auch beim Essen und Trinken hat sich nicht viel getan. Die Preise sind auf hohem Niveau gelandet, und je nach Restaurant bekommt man mehr oder weniger für sein Geld. Preis/Leistungs-Sieger ist für mich nach wie vor das Baobab Restaurant in Shella. Die Preise sind nur wenig gestiegen und die Qualität ist durchweg sehr gut.

Restaurant Baobab - Pfeffer Steak für nur 800 KES
Restaurant Baobab – Pfeffer Steak für nur 800 KES

Im Pizza-Vergleich liegt das Putipu immer noch weit vor den anderen Restaurants. Im Stars & Garters sollte man lieber nichts festes zu sich nehmen, es dauert nun noch länger als vorher und die Qualität ist eher bescheiden. Rosada Town direkt beim Naivas dagegen kann durch Schnelligkeit und Qualität überzeugen. BarBar, Karen Blixen und Baby Marrow sind super aber preislich doch schon weiter oben angesiedelt.

Mir persönlich reichen zwei Mahlzeiten pro Tag völlig aus und so war ich oft zum späten Frühstück oder Lunch, ganz wie man will, im Jabreen zu Gast. Wer die Keniatische Küche in all ihren Facetten gern mag, wir es hier lieben. Alles frisch und von gleichbleibend sehr guter Qualität. Egal, ob Chicken oder Rindfleisch vom Grill, oder nur Chapati mit Bohnen, alles schmeckt lecker und ist preislich unschlagbar.

Jabreen Restaurant in Malindi
Jabreen Restaurant in Malindi

Wer sein Hotel nur mit Frühstück gebucht hat, sollte für ein Abendessen mit einem Getränk je nach Restaurant zwischen 10 und 20 EUR pro Kopf einplanen. Möchte man noch eine der Beachpartys besuchen, sollte das Budget je nach Vorlieben noch etwas aufgestockt werden, denn alkoholfreie Getränke liegen bei um die 2 EUR, Bier um die 3 EUR und ein Glas Wein schlägt mit mehr als 5 EUR zu Buche.

Das Meer

Bedingt durch El Nino hat es im Inneren des Landes sehr heftig geregnet. Teils war es so schlimm, dass die Straße zwischen Malindi und Mombasa vorübergehend nicht befahren werden konnte, weil ein Teil der Brücke weggespült worden ist. In Mombasa kam es zu Überschwemmungen und auch in anderen Teilen des Landes traten einige Flüsse über die Ufer. In Malindi zeigten sich die starken Regenfälle sofort dadurch, dass der Sabaki River das Meer braun einfärbte. Auf den Fotos der aktuellen Galerie ist das gut zu erkennen.

Korruption in allen Bereichen des Lebens

Es gab mal eine Zeit, da dachte man, dass Kenia die Korruption nun langsam in den Griff bekommen würde, aber leider ist das Gegenteil der Fall. Bedingt durch die Inflation wird in allen Bereichen des Lebens noch mehr die Hand aufgehalten. Benötigt man einen kurzfristigen Termin für eine Online-Anhörung bei Gericht über Microsoft Teams, um endlich in seinem Fall voranzukommen oder ihn abzuschließen, lässt die Richterin über den Anwalt durchblicken, dass dafür ca. 600 EUR locker gemacht werden müssen. Da kann man dann noch ein wenig handeln, aber dieser Fall zeigt schon, dass bis in die höchsten Ämter die Hände aufgehalten werden.

Die Verkehrskontrollen am Straßenrand sind wahre Gelddruckmaschinen für die Kontrolleure. Da macht das „Kleinvieh“ den größten Mist, denn welcher der Motorradfahrer hat denn schon alles dabei (Führerschein, Versicherung, County-Steuerplakette, Helm und Warnweste)? Wenn doch, dann findet man sicher am Bike ein Problem, also wird immer ein Obolus fällig, dessen Höhe zwischen 100 und 500 KES variiert. Diese Mikrokorruption findet seit Jahren so statt und erklärt, warum all diese Verkehrspolizisten so gut genährt sind. Da kommen täglich mal bis zu 10.000 KES pro Kopf in die extra Tasche, das sind ca. 1/6 des durchschnittlichen Monatseinkommens eines Polizisten in Kenia!

Dieses Problem offenbart sich nicht nur in nationalen Institutionen, sondern auch international, wenn auf lokale Arbeitskräfte zurückgegriffen werden muss. Bestes Beispiel ist das Goethe Institut in Kenia.

Korruption auch im Goethe Institut

Alle deutschen Visa benötigen als eine Zugangsvoraussetzung einen A1 Sprachkurs, der erfolgreich (also mit mind. 60% richtigen Antworten) abgeschlossen werden muss. Legitim ist die Kursgebühr und natürlich die Prüfungsgebühr für die Teilnehmer. Bedenklich wird es, wenn (Info von einem Insider) eine Richtline regelt, dass nur max. 30% der Teilnehmer bestehen dürfen, damit man mit der Bearbeitung der Visa-Anträge nicht überfordert wird (laut Info des Insiders). Man wird also einerseits die Prüfungen so schwer machen, dass man diese Marke erreicht. Nicht schön und diskriminierend, aber noch nicht illegal.

Was macht man aber, wenn die Marke überschritten wird? Man (also der Prüfer) lässt den Teilnehmer durchfallen, der keine Kursgebühr gezahlt hat (also woanders sein Wissen erworben hat) und nur zur Prüfung erschienen ist. Der Prüfer hat ihn nicht unterrichtet und somit hat er keine Bindung zum Teilnehmer. Es sei denn, er hat ein finanzielles Interesse an diesem Teilnehmer, denn es gibt nach belegbaren Aussagen eines Lehrers/Prüfers in jedem Kurs bis zu 5 Teilnehmer, die die Prüfer bestochen haben, damit sie in jedem Fall bestehen werden. Diese Teilnehmer werden extra auf die Prüfungen (Hören, Lesen, Schreiben, Sprechen) vorbereitet, damit die Chance zu bestehen sich signifikant erhöht. Das wird teuer, denn alle 4 Prüfer wollen gleichermaßen etwas vom Kuchen abhaben und sind in diesen Betrug involviert.

Mit unter kommt es aber vor, dass die Prüfung trotzdem nicht bestanden wird, weil alle gemeinsam der Meinung sind, dass zu wenig Geld geflossen ist oder es vielleicht zu gefährlich geworden ist. Aber auch das ist kein Problem, denn auch im Nachhinein können die Ergebnisse noch angepasst werden. Eine Fälschung der Urkunde ist dabei unkompliziert, aber die Ergebnisse online auf der Datenbank anzupassen, können und dürfen nur wenige beim Goethe Institut. Diejenigen machen diese Anpassungen für schlappe 100.000 KES oder auch gern mehr. Ein Vorschlag von 20.000 KES wurde von diesem Mitarbeiter mit den Worten abgelehnt: „Warum soll ich jemandes Leben für 20K besser machen, wenn mir andere dafür schon 100K gezahlt haben!“

Dies alles sind keine leeren Behauptungen, sondern es ist genauso passiert und kann auch notfalls durch Screenshots von Unterhaltungen über Whatsapp belegt werden. Das Goethe Institut ist sicher eine renommierte Institution, aber in Kenia fehlen definitiv Kontroll-Mechanismen, die einerseits die Qualität sicherstellen und andererseits Unregelmäßigkeiten erkennen und entsprechend reagieren. Falls jemand vom Institut mal kräftig dort „durchkehren“ möchte, kann er sich gern mit mir in Verbindung setzen, ich helfe gern.

Das soll es erstmal wieder gewesen sein. Das Ende war ein wenig deprimierend, aber nur wenn man Probleme offen kommuniziert, kann es irgendwann mal besser werden … die Hoffnung stirbt zuletzt!

In diesem Sinne verbleibe ich mit lieben Grüßen an alle Kenia-Fans

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